15. 06. 2021

Stiftung Schloss Friedenstein Gotha unterzeichnet als erstes deutsches Museum Kooperationsvereinbarung mit Russland

Im Rahmen eines Festakts werden am Dienstag, 15. Juni 2021, die Direktorin des Puschkin-Museums, Marina Loschak, und der Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha, Tobias Pfeifer-Helke, in Moskau eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnen. Darin stellen sie die Weichen für einen intensiven Austausch und eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit: So sollen die sich im Puschkin-Museum befindlichen Kunstwerke aus der Sammlung der Gothaer Stiftung digitalisiert, erforscht und publiziert sowie weitere gemeinsame Ausstellungen realisiert werden.
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Objekten in die UdSSR abtransportiert worden. Die Mehrheit kehrte im Jahr 1958 zurück. Einige Objekte sind im Puschkin-Museum verblieben. Erste Annäherungen zwischen den Häusern gab es bereits: „Wir möchten gerne an die vergangenen Kooperationen unserer Museen anknüpfen, bei denen wir bereits eine sehr fruchtbare Beziehung auf kollegialer Ebene aufbauen konnten“, sagt Tobias Pfeifer-Helke und spielt damit auf die Projekte seines Vorgängers Martin Eberle an, der 2017 zum ersten Mal Kunstwerke aus dem Puschkin-Museum im Herzoglichen Museum Gotha präsentieren ließ: Die Ausstellung „Das Puschkin-Museum zu Gast – Meisterwerke der französischen Kunst“ knüpfte an eine Ausleihe der Gothaer Cranachs nach Moskau an, wo die Gemälde zum ersten Mal seit 1945 gemeinsam mit jenen Cranachs hängen konnten, die nach Russland transportiert worden waren. 
 
Auch Marina Loschak, die damals bereits mit ihrer Vorgängerin Irina Alexandrowna Antonowa nach Gotha reiste, sagt: „Mit Gotha sind wir verwandt.“ Gemeinsam mit ihren deutschen Partnern streben die russischen Museumsmacher eine neue Dimension der Zusammenarbeit an: Sie möchten die Digitalisierung und Konservierung der Objekte mit wissenschaftlicher Forschung über die Provenienz der Werke verknüpfen. Sie wollen ihren Besuchern und Gästen die Möglichkeit geben, nicht nur den Gemälden in der Dauerausstellung vor Ort zu begegnen, sondern auch jenen im Depot oder weiteren umgesiedelten Kunstwerken. Es geht darum die Geschichte der Objekte zu erfassen und zu erleben – unabhängig vom Ort, an dem sie sich befinden. 
 
Im Anschluss an den Termin in Moskau reisen Tobias Pfeifer-Helke und die Gothaer Provenienzforscherin Anastasia Yurchenko weiter nach St. Petersburg, wo sich weitere Objekte aus der Gothaer Sammlung befinden. 
Yurchenko sagt: „Es geht um einen kollegialen Dialog. Wir möchten transparent arbeiten, auf wissenschaftlicher Ebene, gemeinsam an den Kunstwerken und in den Archiven – jenseits von politischen Herausforderungen.“

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