Barockes Universum Gotha
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Zu kaum einer anderen Zeit war das Leben so vom Theater durchdrungen, die Menschen so vom Theater besessen, wie im 17. und 18. Jahrhundert. Die Grenzen zwischen Sein und Schein verloren sich. Das Theater war ein wichtiges Medium zur Artikulation barocken Lebensgefühls, es bot Entspannung und Unterhaltung. Wichtiger war jedoch die Möglichkeit, sich selbst im Theater darzustellen, seine Persönlichkeit zu erhöhen und zu überhöhen. Das traf nicht nur auf Fürsten, Kaiser und Könige zu, sondern auch auf das gemeine Volk, das sich an den Späßen des Hanswurst sowie an Haupt- und Staatsaktionen belustigte.
Das Gothaer Schlosstheater war nur für Angehörige des Hofes zugänglich. Es bestand seit 1681 und wurde bis 1683 mit einer von Giaccomo Torelli (Italien, 1641) entwickelten Kulissenbühne mit Schnellverwandlung ausgestattet. Es war damit das erste Theater dieser Art in Thüringen und blieb als einziges bis heute erhalten.
Barocktheater leben von der spektakulären Verwandlung des Bühnenbildes bei offenem Vorhang. Diese erfolgt mit Hilfe einer hölzernen Maschine. Für den Transport der Kulissenflügel und die Versenkungen befindet sie sich in der Unterbühne, für die Verwandlung der Rückprospekte und der Soffitten in der Oberbühne, sie kann jedoch von der Hauptbühne aus bedient werden. Die Flugwerke und Wolkengloriolen befanden sich ebenfalls in der Oberbühne, sie sind heute nicht mehr erhalten.
Um den gewünschten Effekt zu erzielen, müssen alle Teile der Bühnendekoration synchron verwandelt werden. Die Geräusche der Maschine stören kaum und werden bei Opernaufführungen durch Musik gemildert. Erst gemeinsam mit Lichteffekten, prunkvollen Kostümen und den Maschinenwundern ergab das Theater ein Gesamtkunstwerk. Demgegenüber trat der Inhalt der Texte zurück, der bei den barocken Singe-Spielen meist der Mythologie entnommen war und im weiteren Zweck der Huldigung des Gothaer Fürstenhauses diente.
Es war üblich, dass Angehörige der fürstlichen Familie neben höheren Hofbeamten auf der Bühne standen. Man verfolgte damit besonders im 17. Jahrhundert pädagogische Ziele. Die fürstlichen Kinder sollten sich vor Publikum frei und selbstbewusst bewegen können, die Kunst der Deklamation erlernen.
Wanderkomödianten fanden in Gotha nur selten Anstellung. Reichte die eigene Kapazität an Darstellern oder Musikern nicht aus, verpflichtete man geeignete Kräfte von benachbarten, oftmals durch Verwandtschaft verbundenen Fürstenhöfen. Ebenso half man sich mit Kostümen, Requisiten und Instrumenten aus.